Geschichte
Die Kreuzkapelle
Die Kreuzkapelle
Die Kreuzkapelle
Der Berg trägt auch das Wahrzeichen der Gemeinde, die Kreuzkapelle, die in den beiden letzten Jahrhunderten einem wechselvollen Schicksal unterworfen war.Wie ein Bergfried steht sie mit ihren Umfassungsmauern aus Sandstein und den roten Ziegeldächern fest auf grüner, sonniger Bergeshöhe.Schon von weitem grüßt sie die Menschen, ob sie nun mit der Eisenbahn aus Richtung Mainz und Alzey oder von Bingen kommen, oder aber auf der linksrheinischen Autobahn von der Schweiz nach Holland das Wiesbachtal durcheilen.

Die erste Kapelle am Wissberg, 1755 erbaut, wurde schon 40 Jahre später während der Französischen Revolution weitgehend zerstört, aber in den Jahren 1856 und 1857 wieder aufgebaut. Doch die Freude über diese zweite Kapelle währte wiederum nicht lange. Infolge von Erdbewegungen wurde sie baufällig und musste 1893 abgebrochen werden. Die heutige, also dritte Kapelle, von 1907 bis 1910 erbaut, wurde ebenfalls durch Erdbewegungen in ihrem Bestand stark gefährdet und musste in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Grund auf restauriert werden.

Die Kreuzkapelle ist seit eh und je ein bekannter und beliebter Wallfahrtsort. Hauptwallfahrtstage sind die Feste Kreuzauffindung im Mai und Kreuzerhöhung im September. Schon seit über 200 Jahren ziehen an besagten Festtagen Prozessionen mit einer Kreuzreliquie alljährlich vom Dorf den Berg hinauf. Es sind viele Menschen von überall her, die mit ihren persönlichen Anliegen und Sorgen voller Zuversicht und Hoffnung gläubig dorthin pilgern. Ausserdem werden fast jede Woche hochzeitspaare in der Kapelle getraut, die hier ihren gemeinsamen Lebensweg beginnen. Hinzu kommen noch Wallfahrten aus Pfarreien der näheren und weiteren Umgebung. Den Weg zur Kreuzkapelle säumen vierzehn Kreuzwegstationen, die im Jahre 1862 errichtet wurden. Ursprünglich waren es sieben Fußfallstationen, die von den Vorübergehenden verehrt wurden. Im Jahre 1983 hat die Gemeinde einen Weinlehrpfad eingerichtet, der nördlich des Ortsausganges am Johannisweg beginnt und zur Kapelle führt. Auf zwölf entlang des Weinlehrpfades aufgestellten Schrifttafeln werden alle Rebsorten, die am Wissberg angebaut werden, darunter Silvaner, Riesling und Portugieser, vorgestellt und mit den Berichten über den Weinbau in der Vergangenheit erläutert.
So erfährt man, dass auf fruchtbarem Boden und vom milden Klima begünstigt, hier am Wissberg viele von den vorzüglichen Trauben reifen und zu den guten Tropfen verarbeitet werden, denen Gau-Bickelheim seinen guten Ruf verdankt, ein Hauptweinbauort Rheinhessens zu sein. Schon die alten Römer, die den Wein zu uns brachten, nutzten eifrig den sonnigen Wissberg in ihren „villae rusticae“ (=Bauernhöfe) für den Weinbau. Ihre Nachfolger, die Franken, pflegten den Weinbau weiter.
Das älteste schriftliche Zeugnis hierüber stammt aus dem dritten Jahr der Regierung Karls des Großen (770) und gilt als die Geburtsurkunde von Gau-Bickelheim. Ein Weinberg am Wissberg wird 770 erstmals schriftlich erwähnt: Erembertus und sein Bruder Salcho schenkten dem Kloster Lorsch einen halben Weinberg „in monte qui dicitur Wizenberg in Wibenheimer marca“ – Am Berg, der Wissberg genannt wird, in Gau-Weinheimer Gemarkung werden erst seit dem 12. Jahrhundert schriftlich erwähnt. In einer Gemarkungskarte aus dem Jahre 1576 ist die Lage eingezeichnet und mit Worten beschrieben: „Dis ist ein Weinberg, der in genere genannt wird der Wisper (Wissberg) in spezie aber hat er noch andere namen als zum Langen pfell (Karstpohl), der gehauwen wegh (Gehauweg), am Johansweg, an der frawen weg (Fronweg), der felsweg, am Steinweg und der Rindersteig (Intersteig – Innerst). Dieser obgemelter Berg ist dreier Dörfer gemein…“.
Aktualisiert (Montag, den 12. April 2010 um 06:16 Uhr)

























