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Geschichte
Einst das Heim des Becchilo
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Einst das Heim des Becchilo
Einst das Heim des Becchilo
Einst das Heim des Becchilo – Heute das Moderne Gau-Bickelheim
Fruchtbarkeit des Bodens war für die Menschen der vergangenen Jahrhunderte stets Grundvoraussetzung, sich an einem Ort niederzulassen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Land um Gau-Bickelheim schon in der „jüngeren Steinzeit“ dicht besiedelt war. Das beweist eine auf dem Wissberg entdeckte Dorfanlage. Fünf Dolche – im Badenheimer Weg gefunden – weisen auf die frühe Bronzezeit hin (2000 v. Chr.).
Um etwa 500 vor der Zeitrechnung kamen die Kelten das Gebiet links des Rheines, überdeckten die Spuren der älteren Siedlungen und gründeten Städte wie Borbetomagus (Worms), Alzey, Bingen und Mainz. Um 100 vor Christi Geburt wurden die Kelten von Stämmen der Wangionen abgelöst und nach Gallien verdrängt.
Kaum ein halbes Jahrhundert später kamen die Römer in das heutige Rheinhessenland, machten sich die germanischen Bauern untertan und brachten eine hoch entwickelte Kultur mit über die Alpen. In Abständen von 355 oder 710 Metern voneinander entfernt standen bald prächtige „Villae rusticae“ (römische Bauernhöfe) mit weißen Umfassungsmauern und roten Ziegeldächern, umgeben von 100 bis 200 Morgen Land. Münzfunde und ein Friedhof mit Brandgräbern (60 n. Chr.) in der Gemarkung „Haarschnur“ am Gumbsheimer Weg weisen auf die Römerzeit hin.
Ende der Zerrissenheit
Rund 500 Jahre lang stand das Gebiet um Gau-Bickelheim im Zeichen der romanischen Kultur, bis eine neue Zeit anbrach. Die Alemannen, als Nachfolger der Römer, mussten sich im Jahre 496 der Übermacht der von dem Niederrhein nach Süden drängenden ripuarischen Franken unter ihrem christlich getauften Führer Chlodwig beugen. Den Franken gelang es, der politischen Zerrissenheit ein Ende zu machen, und das Christentum – bereits unter den Römern verbreitet – gelangte alsbald zu voller Blüte. Von den 20 Kirchen des Wiesbachtales waren 12 dem Heiligen Martin, dem fränkischen Nationalheiligen, geweiht. Auch die alte karolingisch-romanische Kirche Gau-Bickelheims trug schon den Namen jenes Heiligen.
Die Eingliederung in das Frankenreich hatte für unsere Landschaft die letzte Prägung gebracht. Fränkische Sippen, mit ihren Sippenältesten, wanderten ein, wurden sesshaft und verbanden sich mit den Überresten der alten Bevölkerung, die die Römerherrschaft überdauert hatte. Alte Urkunden der Klöster Lorsch und Fulda beweisen, dass im 8. Jahrhundert, zur Zeit Pippins des Kurzen und Karls des Großen die Kolonisationsvorgänge im Wiesbachtal vollständig zum Abschluß gekommen waren. Die Ansiedlungen hatten sich bereits zu Haufendörfern zusammengeschlossen, meist mit einem Kirchlein in der Mitte.
Friedhof als Urkunde
Nun wird der aufmerksame Leser sich fragen, wieso Gau-Bickelheim gerade 1971 sein 1200-jähriges Bestehen feiert, wo doch nachweisbar schon vor Christi Geburt Menschen in dieser Gegend lebten. Die Erklärung ist einfach: Aus den Tagen der Kelten, Wangionen, Römern und Alemannen gibt es zwar Funde, aber fast keine urkundliche Nennung einer Siedlung. Erst die fränkischen Mönche in ihren vielen Klöstern notierten die einzelnen Schenkungen, die Begüterte aus fast jeder Ansiedlung zu ihrem oder dem Heile eines anderen machten. Die erste Erwähnung eines Dorfes wurde so zur Geburtsurkunde, auch schon deshalb, weil die fränkische Zeit eine Epoche der geordneten Kultivierung und Zivilisierung war.
Gau-Bickelheim hat keine Schenkungs-Eintragungen aber einen fränkischen Friedhof auf der zweiten Terrasse des südlichen Wiesbachufers auf der „Wolfskaute“. Und dieses Begräbnis aus der Zeit um 770 gilt als die Geburtsurkunde des Dorfes Becchilenheim auf dem Gau. Seinen Namen hat der Ort von einem Franken namens Becchilo, einem Großen des Heeres. Damals gab es schon den Fronhof und die Ansiedlung der Wehrbauern, die aber ihrer Siedlung noch keinen Namen gegeben hatten. Dem Edlen gefiel es am Fuße des Wissbergs; er ließ sich dort nieder und errichtete eine Heimstatt – das Becchilo-Heim. Bals siedelten noch andere Franken, ein Dorf entstand, und im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte änderte sich die Sprachweise des Ortsnamens.
Der Kern des Dorfes
Im Wormsgau, der sich über das gesamte heutige Rheinhessen bis in den vorderen Hunsrück ausdehnte, sicherte sich der König große Partien als Staatsland. Er gründete darauf staatliche Wirtschaftshöfe, die zumeist mit der vorgefundenen Bevölkerung als Hörige besiedelt wurden. Der Gau-Bickelheimer Wirtschafthof war 90 Morgen groß und umfasste das Areal der heutige Winzergenossenschaft mit den Nachbaranwesen von Fr. Vollmer, Martin Zahn und Karl Hilsdorf. Zum Schutz des Wirtschaftshofes siedelte der König 13 Wehrbauern an, die alle in der heutigen Käfergasse wohnten. Jede dieser Familien erhielt 60 Morgen Land, wofür sie je Morgen, zuerst in Naturalien, dann in Geld, den Wert eines Denars zahlten. Diese Wehrbauern waren zu Kriegsdiensten verpflichtet.
Schon sehr früh, 983 beim Reichstag von Verona, kamen der staatliche Wirtschaftshof und die gesamte Siedlung an den Bischof von Mainz, der auch die Landeshoheit erwarb und diese ununterbrochen bis zur Französischen Revolution inne hatte.
Das Dorfbild Gau-Bickelheims hat sich seit 1200 kaum wesentlich verändert, Es wurde zwar man hie und da ein Haus oder eine Scheune abgerissen, doch die Neubauten entstanden an gleicher stelle. Erst in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wuchs Gau-Bickelheim ein wenig. Charakteristisch für das mittelalterliche Dorf ist die heute noch gut erkennbare Dorbefestigung. Der alte Ortskern hebt sich inmitten späterer Erweiterungen klar erkennbar ab.
Wall und Graben
Die älteste Dorfbefestigung bestand aus Wall und Graben, von Effenbäumen eingerahmt (noch in Wörrstadt und Eppelsheim deutlich zu sehen). Gau-Bickelheim wurde später mit einer Mauer umgeben und das Dorf nach Westen hin erweitert. In einer Urkunde von 1318, im Diözesanarchiv in Mainz, findet man über Gau-Bickelheim die Bezeichnung „ahn dem valle dor“ (am Falltor). Es scheint, dass die Umfassung des Dorfes nicht ohne Hilfe des Erzbischofs von Mainz geschah, denn das kurmainzische Gau-Bickelheim lag völlig isoliert zwischen lauter fremdherrlichen Gebieten. Die starke Befestigung mit Mauern und Türmen und Pforten ist wohl gegen das sponheimische Sprendlingen und das veldenzische Armsheim angelegt worden.
Brandschatzung
In der Mainzer Stiftsfehde hatte Gau-Bickelheim eine militärische Bedeutung. Es war am Dienstag, 23. März 1462, als Pfalzgraf Friedrich I. und Landgraf Heinrich von Hessen mit 2600 Reitern und 10 000 Mann Fußvolk vor Gau-Bickelheim erschienen. Der Kurfürst ließ sogleich Brand legen und besetzte am Tag darauf den befestigten Ort im Handstreich. Er ergriff denn in Gau-Bickelheims Mauern weilenden Vogt von Hunoldstein, 62 Pferde und 160 wehrhafte Fußgänger. Der Vogt von Hunoldstein wurde mit den Edlingen nach Heidelberg geschickt, der Ort geplündert und gebrandschatzt. Die Leute schichte man nach Alzey. 14 der reichsten Bauern fing man ein. Die Mauern und Türme warfen die Eindringlinge „über den Hafen“, schleiften die Gräben und machten das Dorf dem Erdboden gleich.
Nach der Zerstörung im Jahr 1462 wurde der Graben wieder hergestellt, doch statt der Mauern errichtete man einen Wall, bepflanzt mit Bäumen und Hecken. Der westliche Teil des Dorfrings heißt heute noch „hinter den Hecken“.
Franzosen im Quartier
Der Oberschultheiß Heinrich Help erhielt 1689 als er’s sich an dem Wall gegen Fouragiers verteidigte, eine Wunde an der rechten Schulter an der er sechs Tage darauf, am 29. August, starb. Der französische Marschall de Lorge lag damals mit seinen Truppen sechs Wochen lang in Gau-Bickelheim im Quartier.
Zwei Tore bildeten den Eingang in das mittelalterliche Dorf: die Obere Pforte und die Niederpforte (auch Binger oder Weinheimer Pforte genannt. Über den Pforten waren turmartige Häuser errichtet, in denen die Turmknechte wohnten. Diese mussten bei Nacht alle Uhren melden, die Schlafglocke läuten, um neun Uhr und um Mitternacht blasen und läuten, um 12 Uhr und um drei Uhr die „faudt blasen“. Es sollte einer vor Mitternacht und einer nach Mitternacht wachen. Wenn sie Unwetter im „Anmarsch“ bemerkten, mussten sie läuten. Sie hatten 14 Pfund Heller und zwei Säcke Kohlen zu Lohn. Die Nieder-, Binger-, oder Weinheimer Pforte wurde 1820, die Obere Pforte 1877 abgebrochen.
Gau-Bickelheim hatte auch eine Burg. Sie wird schon 1183 genannt und stand im nordwestlichen Dorfteil. Ihre Reste waren noch im vorigen Jahrhundert zu sehen. Die Burggasse und das Haus Friedrich Fassbinder (genannt: die Burg) halten die Erinnerung an die alte Befestigung wach. Reste von Fundamenten liegen noch in den umliegenden Gärten, wo vor Jahren eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Vierkant-Lanzenspitze gefunden wurde (siehe Foto). Es gab in Gau-Bickelheim auch das „Frei-Adelige-Hofgut“, das den von Partenheim gehörte. Es umfasste 67,75 Morgen Acker, 9,5 Morgen Wiesen und zwei Morgen Wingert in „der Rinderst“ und „im Verberg“. Das alles vermachte der Domsänger Peter Jakob von Partenheim, der letzte Sproß seines Stammes, 1662 der Mainzer Dompräsenz. Die beiden Gau-Bickelheimer Backhäuser gab er dem Kloster Bleidenstadt im Taunus.
Der Zehnte
Der Zehnthof ist heute noch vorhanden. Er wird „Liebfrauenstiftshof“ genannt und befindet sich im Besitz der Familie Lunkenheimer-Keibel.
Dorfherr war seit 983 der jeweilige Erzbischhof von Mainz; das Patronatsrecht stand ursprünglich dem Propst des Liebfrauenstiftes in Mainz zu. Probst Berthold übertrug dasselbe 1171 seinem Stift, das von dann an auch den Zehnten bezog. Später war der Erzbischof mit einem Drittel daran beteiligt. Am 3. April 1240 verkaufte dieser seinen Teil an das Domstift für 120 Kölner Mark, so dass es bis zur Französischen Revolution zwei Zehntherren gab.
Über Gau-Bickelheim gäbe es noch vieles zu berichten, doch würde das Bände füllen. Der Heimatforscher Franz Joseph Spang hat, bei häufigen Gelegenheiten von „seinem“ Ort geschrieben, und wer hat mehr in alten Archiven nachgegraben als er. Gau-Bickelheim hatte um 1845 die größte Einwohnerzahl (über 1600); dann aber kam der große Treck nach Amerika. Freiheit mit der gleichen Chance wie der Nachbar von vorn anzufangen, von keinem Landesherrn zu Diensten verpflichtet.
Der hübsche Weinort, mit heute 1404 Einwohnern, hat in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe öffentlicher Aufgaben gelöst. Die Umlegung der Feldmark wurde in den 50er Jahren vollzogen, ebenso die großflächige Neuordnung des Wissbergs und anderer Rebflächen.
Die Zukunft ruft
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen viele Familien aus den zerbombten Städten und aus den Ostgebieten nach Gau-Bickelheim. Diese leidgeprüften Menschen fanden in der Wißberggemeinde eine zweite Heimat. Mit Energie und Optimismus gingen sie erneut ans Werk, und dank der Hilfe von Staat, Kirche sowie der Einheimischen fühlen sie sich in dem Weindorf wohl und sind völlig integriert.
Die Kanalisation der Jubiläumsgemeinde Gau-Bickelheim steht vor dem letzten Bauabschnitt, während die Kläranlage bereits voll funktionsfähig ist. Der Neubau der Schule und des Gemeindezentrums (siehe Planskizze) geht zügig vonstatten. Auch die Ortsstraßen sind verbessert und ständig werden neue Baugebiete ausgewiesen.
Das Verdienst für diese Erfolge gebührt in erster Linie den bislang amtierenden Bürgermeistern, zeigt aber auch, dass Gau-Bickelheim stets eine verantwortungsbewusste, aufgeschlossene Bevölkerung hatte, die sämtlichen unumgänglichen Maßnahmen immer Unterstützung gewährte.
Fruchtbarkeit des Bodens war für die Menschen der vergangenen Jahrhunderte stets Grundvoraussetzung, sich an einem Ort niederzulassen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Land um Gau-Bickelheim schon in der „jüngeren Steinzeit“ dicht besiedelt war. Das beweist eine auf dem Wissberg entdeckte Dorfanlage. Fünf Dolche – im Badenheimer Weg gefunden – weisen auf die frühe Bronzezeit hin (2000 v. Chr.).
Um etwa 500 vor der Zeitrechnung kamen die Kelten das Gebiet links des Rheines, überdeckten die Spuren der älteren Siedlungen und gründeten Städte wie Borbetomagus (Worms), Alzey, Bingen und Mainz. Um 100 vor Christi Geburt wurden die Kelten von Stämmen der Wangionen abgelöst und nach Gallien verdrängt.
Kaum ein halbes Jahrhundert später kamen die Römer in das heutige Rheinhessenland, machten sich die germanischen Bauern untertan und brachten eine hoch entwickelte Kultur mit über die Alpen. In Abständen von 355 oder 710 Metern voneinander entfernt standen bald prächtige „Villae rusticae“ (römische Bauernhöfe) mit weißen Umfassungsmauern und roten Ziegeldächern, umgeben von 100 bis 200 Morgen Land. Münzfunde und ein Friedhof mit Brandgräbern (60 n. Chr.) in der Gemarkung „Haarschnur“ am Gumbsheimer Weg weisen auf die Römerzeit hin.
Ende der Zerrissenheit
Rund 500 Jahre lang stand das Gebiet um Gau-Bickelheim im Zeichen der romanischen Kultur, bis eine neue Zeit anbrach. Die Alemannen, als Nachfolger der Römer, mussten sich im Jahre 496 der Übermacht der von dem Niederrhein nach Süden drängenden ripuarischen Franken unter ihrem christlich getauften Führer Chlodwig beugen. Den Franken gelang es, der politischen Zerrissenheit ein Ende zu machen, und das Christentum – bereits unter den Römern verbreitet – gelangte alsbald zu voller Blüte. Von den 20 Kirchen des Wiesbachtales waren 12 dem Heiligen Martin, dem fränkischen Nationalheiligen, geweiht. Auch die alte karolingisch-romanische Kirche Gau-Bickelheims trug schon den Namen jenes Heiligen.
Die Eingliederung in das Frankenreich hatte für unsere Landschaft die letzte Prägung gebracht. Fränkische Sippen, mit ihren Sippenältesten, wanderten ein, wurden sesshaft und verbanden sich mit den Überresten der alten Bevölkerung, die die Römerherrschaft überdauert hatte. Alte Urkunden der Klöster Lorsch und Fulda beweisen, dass im 8. Jahrhundert, zur Zeit Pippins des Kurzen und Karls des Großen die Kolonisationsvorgänge im Wiesbachtal vollständig zum Abschluß gekommen waren. Die Ansiedlungen hatten sich bereits zu Haufendörfern zusammengeschlossen, meist mit einem Kirchlein in der Mitte.
Friedhof als Urkunde
Nun wird der aufmerksame Leser sich fragen, wieso Gau-Bickelheim gerade 1971 sein 1200-jähriges Bestehen feiert, wo doch nachweisbar schon vor Christi Geburt Menschen in dieser Gegend lebten. Die Erklärung ist einfach: Aus den Tagen der Kelten, Wangionen, Römern und Alemannen gibt es zwar Funde, aber fast keine urkundliche Nennung einer Siedlung. Erst die fränkischen Mönche in ihren vielen Klöstern notierten die einzelnen Schenkungen, die Begüterte aus fast jeder Ansiedlung zu ihrem oder dem Heile eines anderen machten. Die erste Erwähnung eines Dorfes wurde so zur Geburtsurkunde, auch schon deshalb, weil die fränkische Zeit eine Epoche der geordneten Kultivierung und Zivilisierung war.
Gau-Bickelheim hat keine Schenkungs-Eintragungen aber einen fränkischen Friedhof auf der zweiten Terrasse des südlichen Wiesbachufers auf der „Wolfskaute“. Und dieses Begräbnis aus der Zeit um 770 gilt als die Geburtsurkunde des Dorfes Becchilenheim auf dem Gau. Seinen Namen hat der Ort von einem Franken namens Becchilo, einem Großen des Heeres. Damals gab es schon den Fronhof und die Ansiedlung der Wehrbauern, die aber ihrer Siedlung noch keinen Namen gegeben hatten. Dem Edlen gefiel es am Fuße des Wissbergs; er ließ sich dort nieder und errichtete eine Heimstatt – das Becchilo-Heim. Bals siedelten noch andere Franken, ein Dorf entstand, und im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte änderte sich die Sprachweise des Ortsnamens.
Der Kern des Dorfes
Im Wormsgau, der sich über das gesamte heutige Rheinhessen bis in den vorderen Hunsrück ausdehnte, sicherte sich der König große Partien als Staatsland. Er gründete darauf staatliche Wirtschaftshöfe, die zumeist mit der vorgefundenen Bevölkerung als Hörige besiedelt wurden. Der Gau-Bickelheimer Wirtschafthof war 90 Morgen groß und umfasste das Areal der heutige Winzergenossenschaft mit den Nachbaranwesen von Fr. Vollmer, Martin Zahn und Karl Hilsdorf. Zum Schutz des Wirtschaftshofes siedelte der König 13 Wehrbauern an, die alle in der heutigen Käfergasse wohnten. Jede dieser Familien erhielt 60 Morgen Land, wofür sie je Morgen, zuerst in Naturalien, dann in Geld, den Wert eines Denars zahlten. Diese Wehrbauern waren zu Kriegsdiensten verpflichtet.
Schon sehr früh, 983 beim Reichstag von Verona, kamen der staatliche Wirtschaftshof und die gesamte Siedlung an den Bischof von Mainz, der auch die Landeshoheit erwarb und diese ununterbrochen bis zur Französischen Revolution inne hatte.
Das Dorfbild Gau-Bickelheims hat sich seit 1200 kaum wesentlich verändert, Es wurde zwar man hie und da ein Haus oder eine Scheune abgerissen, doch die Neubauten entstanden an gleicher stelle. Erst in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wuchs Gau-Bickelheim ein wenig. Charakteristisch für das mittelalterliche Dorf ist die heute noch gut erkennbare Dorbefestigung. Der alte Ortskern hebt sich inmitten späterer Erweiterungen klar erkennbar ab.
Wall und Graben
Die älteste Dorfbefestigung bestand aus Wall und Graben, von Effenbäumen eingerahmt (noch in Wörrstadt und Eppelsheim deutlich zu sehen). Gau-Bickelheim wurde später mit einer Mauer umgeben und das Dorf nach Westen hin erweitert. In einer Urkunde von 1318, im Diözesanarchiv in Mainz, findet man über Gau-Bickelheim die Bezeichnung „ahn dem valle dor“ (am Falltor). Es scheint, dass die Umfassung des Dorfes nicht ohne Hilfe des Erzbischofs von Mainz geschah, denn das kurmainzische Gau-Bickelheim lag völlig isoliert zwischen lauter fremdherrlichen Gebieten. Die starke Befestigung mit Mauern und Türmen und Pforten ist wohl gegen das sponheimische Sprendlingen und das veldenzische Armsheim angelegt worden.
Brandschatzung
In der Mainzer Stiftsfehde hatte Gau-Bickelheim eine militärische Bedeutung. Es war am Dienstag, 23. März 1462, als Pfalzgraf Friedrich I. und Landgraf Heinrich von Hessen mit 2600 Reitern und 10 000 Mann Fußvolk vor Gau-Bickelheim erschienen. Der Kurfürst ließ sogleich Brand legen und besetzte am Tag darauf den befestigten Ort im Handstreich. Er ergriff denn in Gau-Bickelheims Mauern weilenden Vogt von Hunoldstein, 62 Pferde und 160 wehrhafte Fußgänger. Der Vogt von Hunoldstein wurde mit den Edlingen nach Heidelberg geschickt, der Ort geplündert und gebrandschatzt. Die Leute schichte man nach Alzey. 14 der reichsten Bauern fing man ein. Die Mauern und Türme warfen die Eindringlinge „über den Hafen“, schleiften die Gräben und machten das Dorf dem Erdboden gleich.
Nach der Zerstörung im Jahr 1462 wurde der Graben wieder hergestellt, doch statt der Mauern errichtete man einen Wall, bepflanzt mit Bäumen und Hecken. Der westliche Teil des Dorfrings heißt heute noch „hinter den Hecken“.
Franzosen im Quartier
Der Oberschultheiß Heinrich Help erhielt 1689 als er’s sich an dem Wall gegen Fouragiers verteidigte, eine Wunde an der rechten Schulter an der er sechs Tage darauf, am 29. August, starb. Der französische Marschall de Lorge lag damals mit seinen Truppen sechs Wochen lang in Gau-Bickelheim im Quartier.
Zwei Tore bildeten den Eingang in das mittelalterliche Dorf: die Obere Pforte und die Niederpforte (auch Binger oder Weinheimer Pforte genannt. Über den Pforten waren turmartige Häuser errichtet, in denen die Turmknechte wohnten. Diese mussten bei Nacht alle Uhren melden, die Schlafglocke läuten, um neun Uhr und um Mitternacht blasen und läuten, um 12 Uhr und um drei Uhr die „faudt blasen“. Es sollte einer vor Mitternacht und einer nach Mitternacht wachen. Wenn sie Unwetter im „Anmarsch“ bemerkten, mussten sie läuten. Sie hatten 14 Pfund Heller und zwei Säcke Kohlen zu Lohn. Die Nieder-, Binger-, oder Weinheimer Pforte wurde 1820, die Obere Pforte 1877 abgebrochen.
Gau-Bickelheim hatte auch eine Burg. Sie wird schon 1183 genannt und stand im nordwestlichen Dorfteil. Ihre Reste waren noch im vorigen Jahrhundert zu sehen. Die Burggasse und das Haus Friedrich Fassbinder (genannt: die Burg) halten die Erinnerung an die alte Befestigung wach. Reste von Fundamenten liegen noch in den umliegenden Gärten, wo vor Jahren eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Vierkant-Lanzenspitze gefunden wurde (siehe Foto). Es gab in Gau-Bickelheim auch das „Frei-Adelige-Hofgut“, das den von Partenheim gehörte. Es umfasste 67,75 Morgen Acker, 9,5 Morgen Wiesen und zwei Morgen Wingert in „der Rinderst“ und „im Verberg“. Das alles vermachte der Domsänger Peter Jakob von Partenheim, der letzte Sproß seines Stammes, 1662 der Mainzer Dompräsenz. Die beiden Gau-Bickelheimer Backhäuser gab er dem Kloster Bleidenstadt im Taunus.
Der Zehnte
Der Zehnthof ist heute noch vorhanden. Er wird „Liebfrauenstiftshof“ genannt und befindet sich im Besitz der Familie Lunkenheimer-Keibel.
Dorfherr war seit 983 der jeweilige Erzbischhof von Mainz; das Patronatsrecht stand ursprünglich dem Propst des Liebfrauenstiftes in Mainz zu. Probst Berthold übertrug dasselbe 1171 seinem Stift, das von dann an auch den Zehnten bezog. Später war der Erzbischof mit einem Drittel daran beteiligt. Am 3. April 1240 verkaufte dieser seinen Teil an das Domstift für 120 Kölner Mark, so dass es bis zur Französischen Revolution zwei Zehntherren gab.
Über Gau-Bickelheim gäbe es noch vieles zu berichten, doch würde das Bände füllen. Der Heimatforscher Franz Joseph Spang hat, bei häufigen Gelegenheiten von „seinem“ Ort geschrieben, und wer hat mehr in alten Archiven nachgegraben als er. Gau-Bickelheim hatte um 1845 die größte Einwohnerzahl (über 1600); dann aber kam der große Treck nach Amerika. Freiheit mit der gleichen Chance wie der Nachbar von vorn anzufangen, von keinem Landesherrn zu Diensten verpflichtet.
Der hübsche Weinort, mit heute 1404 Einwohnern, hat in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe öffentlicher Aufgaben gelöst. Die Umlegung der Feldmark wurde in den 50er Jahren vollzogen, ebenso die großflächige Neuordnung des Wissbergs und anderer Rebflächen.
Die Zukunft ruft
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen viele Familien aus den zerbombten Städten und aus den Ostgebieten nach Gau-Bickelheim. Diese leidgeprüften Menschen fanden in der Wißberggemeinde eine zweite Heimat. Mit Energie und Optimismus gingen sie erneut ans Werk, und dank der Hilfe von Staat, Kirche sowie der Einheimischen fühlen sie sich in dem Weindorf wohl und sind völlig integriert.
Die Kanalisation der Jubiläumsgemeinde Gau-Bickelheim steht vor dem letzten Bauabschnitt, während die Kläranlage bereits voll funktionsfähig ist. Der Neubau der Schule und des Gemeindezentrums (siehe Planskizze) geht zügig vonstatten. Auch die Ortsstraßen sind verbessert und ständig werden neue Baugebiete ausgewiesen.
Das Verdienst für diese Erfolge gebührt in erster Linie den bislang amtierenden Bürgermeistern, zeigt aber auch, dass Gau-Bickelheim stets eine verantwortungsbewusste, aufgeschlossene Bevölkerung hatte, die sämtlichen unumgänglichen Maßnahmen immer Unterstützung gewährte.

























