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Geschichte
Gau–Bickelheim einst und heute
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Gau–Bickelheim einst und heute
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Gau–Bickelheim einst und heute
Die Landschaft, in der Gau-Bickelheim liegt, hat eine weit in die Vergangenheit zurückgreifende Geschichte und Kultur. Schon sehr früh hatdie Fruchtbarkeit des Bodens Menschen hier ansässig werden lassen. Eine auf dem Wissberg entdeckte Dorfanlage weist in die Jüngere Steinzeit (5000 – 2000 v. Chr.).
Weitere Zeugen aus der Frühgeschichte Gau-Bickelheims sind fünf im Badenheimer Weg gefundene Dolche, die aus der frühen Bronzezeit (um 2000 v. Chr.) stammen. Die Kelten besiedelten dieses Gebiet um 500 v. Chr.; sie wurden abgelöst von den Wangionen Jahrhundert v. Chr.). Diese wurden um 58 v. Chr. von den Römern unterworfen, so dass der Landstrich für die nächsten 500 Jahre unter römischer Herrschaft stand.
Die nachfolgenden Alemannen mussten sich den Franken unter Chlodwig (um 500 n. Chr.) beugen. Ihnen gelang es, dieses Gebiet politisch zu einigen. Sie brachten diesem Landstrich einen mächtigen Aufschwung; Ihre Herrscher begründeten hier eine Reihe von Königshöfen. Die Krongüter der fränkischen Könige gingen in der Folge als Schenkung oder Lehen an Gaugrafen, Edelherren oder geistliche Große über. So übergab auch Kaiser Otto II. im Jahre 983 auf dem Reichstag zu Verona Bekilenheim, wie Gau-Bickelheim damals hieß, an Erzbischof Willigis von Mainz.
Den Namen „Bekilenheim“ hat das Dorf von einem Franken Namens „Becchilo“, woraus im Laufe der Zeit durch Sprachveränderungen „Gau-Bickelheim“ wurde. Bis zur Auflösung des Mainzer Kurstaates nach der Französischen Revolution (1789) blieb das Dorf beim Erzbistum Mainz. Gau-Bickelheim war als weit vorgeschobener Territorialbesitz der Bischöfe Von Kurmainz stets gefährdet. Heute ist Gau-Bickelheim eine Gemeinde in Rheinhessen, im Großkreis Alzey-Worms und gehört zum Bundesland Rheinland-Pfalz.
Den Kern des Dorfes bildete ein Wirtschaftshof, der auf dem Areal des heutigen Dorfgemeinschaftshauses am Römer stand. Er hatte eine Größe von 90 Morgen und wurde von Wehrbauern geschützt, die alle zu Kriegsdiensten verpflichtet waren. Die älteste Dorfbefestigung bildete Ein Wall und ein Graben, die mit Effenbäumen bewachsen waren, woran noch heute die im Westen gelegene Effenmühle erinnert. Erst im Spätmittelalter wurde Gau-Bickelheim mit einer Wehrmauer Umgeben und gleichzeitig nach Westen erweitert. In einer Urkunde aus dem Jahre 1318, die Im Diözesanarchiv in Mainz Aufbewahrt wird, findet man bei Der Beschreibung des Dorfes die Bezeichnung „am Falltor“, woraus Zu schließen ist, daß damals eine Ummauerung bestand. Alles weist darauf hin, dass diese Ummauerung mit der finanziellen Hilfe des Mainzer Erzbischofs geschah, denn Das kurmainzische Gau-Bickelheim musste sich zwischen lauter fremdherrischen Gebieten behaupten.
Eine gewisse militärische Bedeutung erlangte Gau-Bickelheim während der Mainzer Stiftsfehde des Jahres 1462, in deren Verlauf das Dorf mit seinen Mauern und Türmen von Pfalzgraf Friedrich I. und Landgraf Heinrich von Hessen zerstört, die Gräben zugeschüttet und die Mauern geschleift wurden. Später wurden die Gräben wiederhergestellt, und statt der Mauern warf man einen Wall auf, der mit Bäumen und Hecken bepflanzt wurde.
Zwei Tore bildeten den Eingang in das mittelalterliche Dorf: die Obere Pforte und die Nieder- der Binger Pforte, die auch Weinheimer Pforte genannt wurde. Die Niederpforte wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen, während die Obere Pforte 1877 abgebrochen wurde.
Im Jahre 1666 kam eine weitere große Katastrophe über den Ort, als binnen dreieinhalb Monaten über zweihundert Einwohner von der Pest dahingerafft wurden. In diesem Zusammenhang sei an das Gutleuthaus, das im Flonheimerweg stand, in dem die Pestkranken isoliert waren, Trotz
Harter Schicksalsschläge hat sich das Dorf nach Rückschlägen immer wieder mit Hilfe seiner Landesherren zu neuer Blüte entwickelt. Dies belegt z. B. Romhard von Mainz, ein kurfürstlicher Notar, der in einer Quelle aus dem frühen Mittelalter Gau-Bickelheim als einen „herrlichen, auch mit Rathaus und anderen bürgerlichen Gebäuden wohlgezierten Flecken“ schildert.
Eine wichtige Funktion im mittelalterlichen Dorf hatte der Zehnthof, der heute noch vorhanden ist und „Liebfrauenstiftshof“ genannt wird.
Wirtschaftlich ist der Ort vom Weinbau abhängig, wovon schon eingangs die Rede war, und worüber aber im Folgenden wegen der großen Bedeutung für Gau-Bickelheim noch ausführlicher berichtet wird. Schon in der Zeit Karls des Großen und in den nachfolgenden Jahrhunderten stand – wie schon ausgeführt – der Weinbau am Wissberg in hoher Blüte, was die Einrichtung eines Weinmarktes in Gau-Bickelheim zur Folge hatte.Nach und nach entwickelten sich Weinmarktbräuche, woraus dann feste und lange gültige Weinmarkt-ordnungen entstanden. Die Pflege des Weines oblag früher neben den Winzern auch den Holz- und Weinküfern. In alter Zeit hießen die Weinküfer auch Schröter. Das Wort „schroten“ bedeutete früherdie Beförderung der Fässer aus dem Keller zum Wagen und vom Wagen zum Versandplatz. Sollte Wein geladen werden, so wurde die Weinglocke geläutet, worauf sich die Schröter einfanden und mit ihrer Arbeit begannen. Ihre Aufgabe war es auch, den Inhalt eines Fasses zu kontrollieren. Zur Bestreitung der hierbei entstandenen Kosten, wurde ein Un- oder Ohmgeld erhoben. Es war eine Art Verbrauchsabgabe, die für jedes ausgeführte Weinfaß bezahlt werden musste. Die Bauern und Winzer wehrten sich gegen die se Maßnahme und versuchten mit allen Mitteln, ihrer Obrigkeit die Erhebung des sogenannten Weinzehnten zu erschweren. Erst später kam die Anbringung eines amtlichen Eichzeichens auf. Unter dem Sonderschutz der Haager Konvention (Konvention zum Schutz von Kulturgut im Kriegsfalle) steht heute der RÖMER, der älteste Dorfplatz von Gau-Bickelheim. Mit seinen historischen Baten gehört er zu den schönsten Plätzen Rheinhessens. In seiner Mitte steht ein schönes Barockkreuz aus dem 18. Jahrhundert. Seit seiner Restaurierung im Juni 1992 erstrahlt es wieder in seinen ursprünglichen Farben.
Hinter dem Dorfkreuz bieten das 1987 fertiggestellte Dorfgmeinschaftshaus und der Römerkeller mit ihren wunderschönen Kreuzgewölben, deren älteste Teile im 16. Jahrhundert entstanden sind, Raum für kleinere und größere Feiern. Im Innern des Hauses kann man noch heute über einem kunstvollen Türbogen das kaiserliche Wappen mit dem Doppeladler aus dem Jahre 1563 bewundern. Die beiden Köpfe symbolisieren das römische Kaisertum einerseits und das deutsche Königtum andererseits. Im 15. Jahrhundert wurde der Doppeladler offiziell Reichsadler, was er bis zur Auflösung des ersten Deutschen Kaiserreichs im Jahre 1806 blieb. Danach wurde er vom Kaiserreich Österreich bis 1918 übernommen.
In unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfkreuzes steht auch das Rathaus aus dem Jahre 1749, ein schlichter Barockbau, der mit einem Mansarddach und Krüppelwalm abschließt und dessen Giebelwand von einer Sonnenuhr geziert wird. In früheren Zeiten diente das Rathaus nicht nur der Erledigung amtlicher Angelegenheiten, sondern es war auch das gesellschaftliche Zentrum des Dorfes. Männer, Frauen und Kinder fanden sich dort ein, denn hier erfuhren sie alle Neuigkeiten. Es gab auch immer einen guten Tropfen zu trinken. Und große Feste wurden auch im Rathaussaal gefeiert. Viele Einwohner besaßen ein sogenanntes „Trinkbüchlein“, in das sie ihren Verzehr eintragen ließen, um nicht jedes Mal sofort zahlen zu müssen. Darum wird das Rathaus in Gau-Bickelheim vom Chronisten als das „Gemeine Wirtshaus“ bezeichnet, weil dort zu allen Anlässen getrunken wurde. Eine besondere Trinksitte war das sogenannte „Minnetrinken“, das auch schon in frühchristlicher Zeit praktiziert wurde. Nachdem der Pfarrer die Brautmesse gefeiert hatte, weihte er den Brautwein, die soge-nannte „Johannisminne“, die dann dem Brautpaar gereicht wurde. Noch bis zum Beginn dieses Jahrhunderts wurde dieser Brauch bei Trauungen in der Gau-Bickelheimer Kirche gepflegt.
Von 1952 – 1959 wurde ein die ganze Gemarkung umfassendes Flurbereinigungsverfahren durchgeführt, so dass heute ein großzügiges und gut ausgebautes Wegenetz die Acker- und Weinbergsfluren durchzieht. Dazu gehören auch die in einer Länge von mehr als zwölf Kilometern errichteten Grün- und Windschutzanlagen, die zur Verbesserung des Keinklimas beitragen. Trotz dieser Großumlegung der Feldmark sind die meisten der früher zahlreichen Bildstöcke und Wegekreuze erhalten geblieben, auch wenn hie und da ihr Standort ein wenig verändert wurde.
Diese, die Fluren schmückenden Zeichen christlichen Brauchtums werden von den Anrainern liebevoll gepflegt.
Mit einer Rebfläche von 240 ha gehört Gau-Bickelheim zu den großen Weinbaugemeinden Rheinhessens. Die hier ansässigen Winzer bauen ihre Weine in den Lagen „Saukopf“, „Kapelle“ und „Bockshaut“ an. Es sind viele traditionsreiche und renommierte Weinbaubetriebe, die den Gau-Bickelheimer Wein weit über die Grenzen Rheinhessens und Deutschlands, heute bis nach Japan und in die USA, bekannt machen. Einige Winzer sind auch vereidigte Messweinlieferanten für die katholische Kirche, wozu absolut naturreine Weine unabdingbare Voraussetzung sind.
Die meisten preisgekrönten Weine wachsen im Wissberg. Über 2000 Sonnenstunden im Jahr lassen die Weine am Wissberg zu ihrer hohen Qualität heranreifen. So erhielten die Gau-Bickelheimer Winzer bei den Landesweinprämierungen in den vergangenen Jahren weit über 100 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen für ihre Paradetropfen. Hinzu kommen noch mehrere Bundesehrenpreise der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. In 1996 erhielt sogar ein Betrieb als besondere Auszeichnung den Ehrenpreis des Landrates Alzey-Worms für das beste Betriebsergebnis. Trotz dieser beachtlichen Erfolge des Winzerstandes haben die strukturellen Probleme, die den deutschen Weinbau seit Jahren begleiten, nicht abgenommen.
Dies zeigt sich in seinem ganzen – leider negativen – Ausmaß bei der ehemaligen und weithin bekannten Zentralkellerei Gau-Bickelheim, bislang ein Schmuckstück für den Ort, die gegenwärtig hart um ihren Fortbestand ringt.
Es bleibt nur zu hoffen, dass das vom Genossenschaftsverband in Frankfurt am Main erarbeitete Sanierungskonzept allmählich zu greifen beginnt, und die Existenz dieser so bekannten hochmodern ausgestatteten Winzergenossenschaft, die jetzt unter dem Namen „Rheinhessenwinzer“ firmiert, auf Dauer gesichert werden kann. Dies wäre umso wünschenswerter, weil ihr Vorgänger, der Gau-Bickelheimer Winzerverein in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen hätte feiern können.
Die Mehrheit der Menschen in Gau-Bickelheim lebte bis vor wenigen Jahrzehnten weitgehendst von der Landwirtschaft und vom Weinbau. Heute gibt es nur noch etwa 25 Vollerwerbsbetriebe, zu denen noch
einige Neben- und Zuerwerbsbetriebe kommen. Auch Handwerk und Gewerbe mit über 200 Beschäftigten sind im Ort gut vertreten. An der westlichen Gemarkungsgrenze, nahe des Autobahnanschlusses, entsteht in Kürze eine moderne Tank- und Rastanlage.
Mit Freude und Stolz können die Gau-Bickelheimer von einem aktiven, intakten kulturellen Leben in der Gemeinde sprechen. Es wird von mehr als einem Dutzend Vereinen getragen, in denen wiederum besonders die Frauen eine starke Stütze sind, weil gerade sie neben ihrer Haupttätigkeit in der Familie, viele ehrenamtliche
Und verantwortungsvolle Aufgaben in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens in der Gemeinde übernehmen.
Gau-Bickelheim hat eine Grundschule mit einer geräumigen Turnhalle und in unmittelbarer Nachbarschaft einen
Modernen Kindergarten mit vier Gruppen, der in kirchlicher Trägerschaft steht.
Im Nordwesten des Dorfes hat die Gemeinde ein modernes Sportzentrum errichtet, das für viele Sportarten optimale Voraussetzungen bietet.
Daß Gau-Bickelheim über seine Grenzen hinauszublicken versteht, und damit auch den Europagedanken – ein vereintes und friedliches Europa – pflegt, bezeugt nicht zuletzt die seit 1965 bestehende rege Partnerschaft mit der Gemeinde Aiserey in Burgund.
Eine Fahrt nach Gau-Bickelheim ist in jedem Fall zu empfehlen und lohnenswert. Im Jahresablauf bietet sich manche Gelegenheit, Geselligkeit und Gastfreundschaft der Gau-Bickelheimer zu erfahren. Lebensfreude und Phantasie, wie sie den Rheinhessen eigen sind, kann man hier immer wieder erleben, insbesondere bei den Dorffesten, sei es beim Wein- und Sonnenblumenfest am 3. Wochenende im Juli, den Hof- und Straßenfesten oder an den Kerbetagen im September.
So hat es Gau-Bickelheim auch in der Gegenwart verstanden, sich einen hervorragenden Platz unter den Gemeinden Rheinhessens zu erwerben.
Aktualisiert (Dienstag, den 20. April 2010 um 09:27 Uhr)

























